„Moralischer Sieger“ zum Abschluss der Heimsaison

Die (wohl) letzte Chance auf Punkte verspielt und doch viel Respekt zurückgewonnen. Im vorerst letzten 2.Liga-Heimspiel hat der ESV Ansbach trotz eines Rumpfkaders eine starke Abschlussvorstellung geboten. Gegen das „Team der Stunde“ – der TSG Darmstadt – nahm man die Rolle des klaren Außenseiters an und verpasste einen Punktgewinn nur um Haaresbreite. Der ESV kam auch nach einem 1:3 respektive 2:4-Rückstand zurück. Als zwei Minuten vor dem Ende der sensationelle 4:4-Ausgleich fiel, entwickelte sich das Sportzentrum Ost ein letztes Mal zu einem kleinen Hexenkessel. Der späte Darmstädter Erfolg dämpfte diese nur geringfügig. Zum Abschluss wartet nochmal ein echter Brocken auf den Absteiger. Dann geht es zum Abonnement-Meister ERV Schweinfurt.

Die größten Anstrengungen gab es wohl bereits vor dem Anpfiff. Wenige Tage vor der Partie ereilten die Ansbacher Verantwortlichen mit dem Ausfall der Leistungsträger Sven Kirnig und Bastian Goldhausen gleich zwei Hiobsbotschaften. Um doch noch für einen Auswechsel-(Feld)Spieler zu sorgen, griff man in die Trickkiste. Stefan Zippel, Ex-Kapitän und langjähriger Spieler des ESV, wurde nach gut eineinhalb Jahren Pause reaktiviert – mit Erfolg. Der 24jährige ordnete sich vom Anstoß weg nahtlos ins Ansbacher Spiel ein.

Vor dem Start war das Credo schnell gefunden: Mit großer Defensiv-Disziplin wollte man es dem Favoriten so schwierig wie möglich machen und das Geschehen möglichst lange offen halten. Dies gelang zunächst sehr gut. Angeführt von dem erneut starkem Abwehr-Duo Beck / Tim Kirnig konnten die Darmstädter Chancen überschaubar gehalten werden. Als man sich nur mit einem Foul im Strafraum helfen konnte, behielt Schlussmann Kaas die Nerven und parierte den fälligen Sechs-Meter mit dem Kopf. TSG-Routinier Huppel ließ seine Farben kurz darauf dann doch erstmals jubeln (8.). Per Direktabnahme von der Strafraumgrenze sorgte er für die verdiente Gäste-Führung. Der Startschuss für ein Schützenfest? Diese Befürchtung wurde jäh zerstreut. ESV-Nachwuchsspielerin Schreinecke war nach einem Distanzschuss an der richtigen Stelle und besorgte per Abstauber den Ausgleich (10.). Bis zur Pause schlug nur noch Damen-Nationalspielerin Firl für die Hessen zu (1:2/15.), sodass die Entscheidung in den zweiten 25-Minuten fallen sollte.

Obwohl die Gastgeber im zweiten Abschnitt offensiv mutiger wurden, schien die Entscheidung bevorzustehen. 4:2 führte bereits das Team vom Woog. Dann schlug die Stunde von Stefan Zippel. Der Rückkehrer behielt vor dem Tor die Nerven und läutet mit seinem Treffer ins kurze Eck (40.) die „Aufholjagd“ ein. Zwei Minuten vor dem Abpfiff krönte der Tabellenletzte eine großartige Mannschaftsleistung mit dem 4:4-Ausgleich (Beck/48.). Das letzte Wort sollte jedoch der TSG gehören. Nach einer überlegten Kombination brauchte Lucas Willenbacher den Schläger nur noch zum späten 4:5 (48.) hereinhalten. Seinen persönlichen Hattrick schnürte Darmstadts Huppel nach dem 10.Ansbacher Teamfoul (4:6, 49.).

ESV Ansbach:
Kaas, Sturm (beide Tor), T. Kirnig, Beck (2), Nachtrab, Schreinecke (1), Zippel (1)

TSG Darmstadt:
Wortmann (Tor), Huppel (3), Barcal (1), Frommann, Firl (1), Willenbacher (1)