Interview mit Jordi Poblet

Heute gibt es das bereits versprochene Interview mit Jordi Poblet (v. R. 3. v. l.). Jordi ist ein spanischer Rollhockeyspieler, der 2011 aufgrund der Wirtschaftskrise nach Australien ausgewandert ist. Seitdem geht er dort seinen Weg und fördert zusammen mit Stephen Hoey den Rollsport in Down Under.

Das nächste große Highlight in Australien wird der bereits zum zweite Mal stattfindende internationale Rollhockeycampus sein. Wenn sie mehr Informationen darüber haben möchten, dann schauen sie gerne auf der Webseite (http://www.josthockey.com.au/campus/), oder auf Facebook (https://www.facebook.com/JostCampus)vorbei. Wer darüber hinaus noch Informationen benötigt, oder selbst Erstligaspieler/-trainer ist und als Coach daran teilnehmen möchte, der darf mir gerne schreiben und ich stelle dann einen direkten Kontakt her.

Jetzt aber weiter zum Interview:

Bernd:
Hallo Jordi, vorab erst einmal Glückwünsch zur Verteidigung des Australia Day Cups Ende Januar mit deinem Team dem Melbourne Rollerhockey Club (https://www.facebook.com/MelbourneRHC?fref=ts), wie war das Turnier?

Jordi:
Danke. Wir alle sind sehr glücklich über die Titelverteidigung, denn es war uns heuer von Anfang an klar, dass wir das Team sind, welches es zu schlagen galt. Wir mussten deshalb von Anfang an unser Spielkonzept durchziehen, um das Ziel der Titelverteidigung überhaupt erreichen zu können. Gerade deswegen bin ich sehr stolz auf das gesamte Team, dass uns das so hervorragend gelungen ist.

Bernd:
Kannst du unseren Anhänger zum näheren Kennenlernen einen kleinen Einblick über deine sportliche Laufbahn in Spanien geben?

Jordi:
Ich begann im Alter von 4 bis 5 Jahren bei UE Horta (einem Verein in Barcelona) Rollhockey zu spielen. Ich war Teil des Teams, das damals die spanische Meisterschaft gewonnen hat und Zweiter bei den katalanischen Meisterschaften wurde. Anschließend wechselte ich als Jugendlicher zu C.H. Mataro, bei denen ich als Spieler aufgewachsen bin. Die Zeit in Mataro hat mich sehr geprägt und zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin. Als Juniorenspieler hatte ich das Glück in der Katalanischen Senior Division mitspielen, sowie regelmäßig an den Trainingseinheiten der 1. Mannschaft (zu diesem Zeitpunkt in der 2. spanischen Liga) teilnehmen zu dürfen. In meinem ersten Jahr als Senior wechselte ich zum H.C. Castellar, für die ich 1 Jahr spielte, bevor ich mich entschied zu Gunsten meines Design Studiums eine Pause vom Rollhockey einzulegen. Nach meiner 1-jährigen Auszeit ging ich zurück zu C.H. Mataro und spielte dort noch eine Saison in der 1a Nacional Catalana, bevor ich beschloss aus beruflichen Gründen nach Melbourne auszuwandern.

Bernd:
Wie war es um den Rollhockeysport in Australien bestellt, als du vor vier Jahren dort ankamst?

Jordi:
Um ehrlich zu sein nicht sehr gut. Es gab keine Liga, keine Wettbewerbe noch augenscheinlich irgendwelche Clubs. Ich begann anfänglich mit einigen Spielern alle zwei Wochen zu trainieren, aber ansonsten tat sich kaum etwas.

Bernd:
Du warst zu Beginn sehr ambitioniert und hast enorm viel Zeit und Mühe dahin gehend investiert, etwas an der Situation zu ändern. Wann begann dann alles ins Rollen zu kommen?

Jordi:
In einer der Trainingssessions erwähnte ein Mitspieler einen bevorstehenden Wettbewerb und ob ich nicht gerne mit Ihnen daran teilnehmen möchte. Dort lernte ich dann den Initiator der Veranstaltung Stephen Hoey (aktueller australischer Nationaltrainer) kennen, welcher versuchte, dem Rollsport nach so vielen Jahren der Inaktivität wieder leben einzuhauchen. Ich war sofort gefangen von seiner Rollhockeyphilosophie. Er erklärte mir seine Vision und Strategie, wie er den Sport in Australien wieder nach vorne bringen möchte, worauf ich anschließend mit Freuden auf den anrollenden Rollhockeyexpress aufsprang.

Bernd:
Wie ist die Zusammenarbeit mit Nationaltrainer Stephen Hoey? Ist es eine Art Symbiose in der jeder vom Wissen des anderen lernt und profitiert?

Jordi:
Stephen ist das Element, das alles erst möglich macht und in Bewegung hält. Er füllt absolut die Leaderrolle aus, aber wie du schon gesagt hast, wir lernen Beide voneinander. Ich hatte nämlich nicht nur in Bezug auf Rollhockey ein enormes Wissen welches ich beitragen konnte, sondern auch im Bereich Design. So bauten wir z. B. die Marke Rollhockey Australien (https://www.facebook.com/RollerHockeyAustralia?fref=ts) komplett neu auf, bis hin zu dem Punkt wie wir sie heute kennen. Wir haben alle extrem viel voneinander gelernt und der beste Beweis dafür ist unser Projekt, dass mit jedem Tag wächst und stärker wird.

Bernd:
Was habt ihr für die Zukunft geplant und was sind euere Ziele von mit Rollhockey Australien?

Jordi:
Wir glauben fest daran, dass sich langfristig alles so entwickeln wird wie mir es wollen, aber Grundstein dazu muss heute schon im Kleinen gelegt werden. So ist es im Moment unser größtes Ziel, Nachwuchs für unseren Sport zu generieren. Denn wir werden nicht in der Lage sein in 10 – 15 Jahren starke Vereine zu haben, wenn wir uns heute nicht auf die vorrangig auf die Jugend konzentrieren. Die nächste Aufgabe wird es sein die Kinder im Verein zu halten und Ihnen eine gute Führungsebene sowie Zukunftsperspektive zu bieten. Wir möchten an einen Punkt kommen, an dem die Vereine von einem gesunden Ligabetrieb profitieren und ohne größere Probleme jedes Jahr Nachwuchsspieler anwerben können, wodurch sich hoffentlich eine dauerhaft positive Entwicklung aber auch Stabilität in unserem Sport einstellt.

Bernd:
Was war in den letzten Jahren abgesehen von den beiden Australia Day Cup Siegen dein persönliches Rollhockeyhighlight?

Jordi:
Wahrscheinlich der Sieg im Halbfinale des Champions Cup in Brisbane, bei dem ich für die Auswahl des Bundesstaat Victoria spielen durfte. Wir waren kurz vor Schluß mit zwei Toren gegen die Auswahl von Queensland in Rückstand, bevor wir als Team noch einmal alles in die Waagschale waren und es schafften 15 Sekunden vor Ende der Partie das Siegtor zu erzielen. Zu sehen wie unsere Fans, Eltern und Jugendspieler nach Abpfiff förmlich ausflippten, das war etwas, das ich nie vergessen werde.

Bernd:
Was ist dein größter Wunsch für die Zukunft?

Jordi:
In Bezug auf Rollhockey würde ich mich sehr freuen zu sehen, wie sich die Arbeit die wir hier verrichten auch auszahlt und Australien über kurz oder lang die größte Rollhockeynation im asiatisch-pazifischen Raum wird, sowie eine der wichtigsten Rollhockeynationen auf unserem Planeten.

Bernd:
Eine letzte Frage Jordi! Du investierst soviel Zeit in den Sport, wie findest du da neben deinem Vollzeitjob auch noch die Zeit dein eigenes Design Studio „DEN DESIGN“ (https://www.facebook.com/DenStudioDesign?fref=ts) zu führen?

Jordi:
Haha… gute Frage! Es ist definitiv schwer Vollzeit zu arbeiten, ein eigenes Design Studio zu führen und in dem Maße im Rollhockeygeschäft aktiv zu sein wie ich es gerade bin. Letztendlich versuche ich bei Allem was ich tue die selbe Passion an den Tag zu legen, außerdem ist es immer leicht für etwas Zeit zu finden, das man mag und dem man verfallen ist. Noch dazu ist es eine enorme Befriedigung für mich zu sehen, wie gut alles gerade läuft und natürlich hoffentlich auch in der Zukunft so bleibt.

Bernd:
Danke für das Interview und Euch alles Gute!

Jordi:
Kein Problem! Bis bald.